Rosa oder Hellblau?

Morgens kann man mit gutem Gewissen noch im Dunkeln in den Kleiderschrank der Elfe greifen, um ihr Outfit für den Tag zusammenzustellen. Es wird auf jeden Fall zusammenpassen. Denn alles in diesem Schrank ist rosa. Nein, nicht ganz richtig: Sie besitzt auch pinkfarbene Hosen, rosarote Jäckchen und altrosa Bodys. Aber warum eigentlich?

Ganz klar, weil für Mädchen in ihrem Alter fast nichts anderes zu bekommen ist. Das war aber nicht immer so. Viel mehr ist die geschlechtsspezifische Kleidung für Kinder eine Erfindung aus der frühen Mitte des letzten Jahrhunderts und wurde von der Bekleidungsindustrie festgelegt.

Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts haben alle Kinder bis zum Alter von 6 oder 7 Jahren das gleiche getragen. Und zwar Röcke. In diesem Alter wurden den Jungs übrigens auch zum 1. Mal die Haare geschnitten.

Jahrhundertelang trugen Babys und Kleinkinder vor allem Weiß – was ja auch am praktischsten, da am besten zu waschen ist. Erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hielten auch Pastelltöne Einzug in die Babygarderobe. Damals aber noch geschlechtsneutral. Im Juni 1918 lautete die Empfehlung in einem Prospekt des Earnshaw’s Infants‘ Department sogar: „Die generell akzeptierte Regel lautet Pink für Jungen und Blau für Mädchen. Der Grund dafür ist, dass Pink, als die entschlossenere und stärkere Farbe, besser zu Jungen passt, während Blau, das zarter und anmutiger ist, schöner für Mädchen ist.

Ab den 1940igern wurden die Babys und Kleinkinder dann geschlechtsspezifisch gekleidet. Allerdings nur bis die Feministinnen in den 1960igern und 70igern wieder Wert auf eine geschlechtsneutrale Kleidung legten.

Ab 1985 wurden die Kleinen dann wieder geschlechtsspezifisch gekleidet, denn pränatale Tests ermöglichten es, das Geschlecht des Kindes schon vor der Geburt zu erfahren. Und die Bekleidungsindustrie erkannte schnell: Je mehr man individualisiert, desto mehr verkauft man. Viele Mütter, denen in den 1980igern die Mädchenkleidung vorenthalten wurde, stürzten sich nun auf pinken Firlefanz.

Ein weiterer Grund ist, dass auch Kinder immer mehr zu kleinen Konsumenten werden. Laut Entwicklungsexperten wird Kindern erst zwischen 3 und 4 Jahren bewusst, dass es unterschiedliche Geschlechter gibt. Und erst mit 6 oder 7 wird ihnen bewusst, dass diese sich nicht verändern. Gesteuert durch die Werbung denken sie bis zu diesem Alter, dass z.B. Kleider und lange Haare die Mädchen zu Mädchen machen.

Aktuell scheint die Nachfrage nach neutraler Kleidung übrigens wieder zu wachsen.

Dieser Artikel basiert auf einer Veröffentlichung auf Smithsonian.com, die ich echt interessant finde.

Magischer Extra-Tipp:

  • Ich hatte einmal einen Artikel gelesen, in dem die These aufgestellt wurde, dass Rosa oder Pink sogar schlecht für die Entwicklung der Mädchen wären, da sie sie in ein bestimmtes Korsett drängen. Ich bin der Meinung, dass daran sicherlich nicht die Farben selbst Schuld wären, sondern eher das Verhalten anderer gegenüber ihnen. Trotzdem schadet etwas Abwechslung im Kleiderschrank sicher auch nichts. Meine Lieblingsfarbe war als Kind übrigens Blau.